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Sonntag, 8. Juli 2007

Die Schneemenschen

Rußland ist Heimat abstruser Ideen und uralten Heidentums. Hier konnte nicht nur die sagenhafte Utopie des Kommunismus seinen Nährboden finden, sondern auch noch so mysteriöse Leute wie Rasputin zur Macht gelangen. Schon Tarkowskij will uns in seinem Andrej Rubljow ein heidnisches Rußland unterschieben aber auch der Blick in die Kultur der Eisbader jagt befremdendes Frösteln über den Rücken.

Nun war ja, wie gesagt, das 20. Jh. das Jahrhundert der einfachen Antworten. So dachte sich der Minister für Gesundheitswesen (die SU ist übrigens einer der ersten Staaten, die die Gesundheit des Volkes zur Staatsaufgabe machten und eigens ein Ministerium für Gesundheit gründeten.) eine hübsche kleine Formel aus, wie die Völker der Sowjetunion flugs eine riesigen zivilisatorischen Sprung machen würden. Kultur, meinte er nämlich, ist nichts anderes als Alphabetisierung plus Hygene. Kulturvolle Menschen (das Wort kulturnyj für kulturvoll kommt aus eben jener Zeit der Kulturrevolution der Bolschewiki) müssen also immer nur schön schreiben und lesen können und sich mal waschen, dann ist das mit der Kultur auch schon geritzt.

Als die Russen Mittelasien eroberten, da bauten sie ihre Neustädte nur in die Nähe der Altstädte, sonst gingen sich Kolonisierer und Kolonisierte in den Städten kaum auf die Nerven (nur die blöden Siedler, die mussten immer diesen Stress machen, von wegen doofe Nomaden und Land muss bebaut werden aber nicht abgegrast usw.)
Als die Bolschewiki aber nun die ganze Sache in die Hand nahmen, da ging das mit der Kulturrevolution so weit, dass sie mitten in den Innenstädten Badestrände anlegte. So gibt es auch heute noch in Taschkent am Anhor ganzjährig betriebene Badeklubs. Ebenso in der Stadt Khodjand, am Syr Darja. Auch dort war der städtische Strand gegenüber vom Bezirksregierungssitz (dem Weissen Haus). Einer kleinen Gruppe einer europäischen Avantgarde war das Wasser der städtischen Flüsse aber nicht kalt und sauber genug. So gingen sie in die Berge. Dort kletterten sie zu den Gletschern hinauf und legten sich zu den Füßen ihrer Zungen in das kühle Nass. Das machte Spaß! Damit die Menschen auch in den Städten mitbekommen, was sie da treiben, ließen sie sich fotografieren.

Schneemenschen

Jahre später...
Nun habe ich dieses Bild im Museum von Khodjand gefunden. Hier wurde es für Hygeneausstellungen genutzt. Und ich wundere mich: Was bitte haben sich da muslimische (weibliche) Betrachter bei diesen Bildern gedacht? Wahrscheinlich nichts, hatten sie ja von April bis Oktober auch in der Innenstadt vor sich. Bunt also war das Leben in der Roten Zone...

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Impressum

Olim ist ein arabischer Vorname, der sich aus der Silbe ilm ableitet und soviel heißt wie der Wissende oder Wissenschaftler. Ich habe den Namen 1994 in Buchara verliehen bekommen und ein Jahr später angefangen, Mittelasienwissenschaften zu studieren. Das tue ich heute immer noch im fortgesetzten Stadium. Derzeit arbeite ich am SFB 640 "Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel".

devona

devona ist ein Anhängsel an einen Namen, der soviel bedeutet wie "der Verrückte". Doch bedeutet Verrückt im sufischen islamischen Kontext mehr "der zu Gott entrückte". Denn der Narr gibt seinen Verstand an Gott ab, Gott aber schenkt ihm dadurch die Nähe zum Paradies. Da er seinen Verstand abgegeben hat, darf der nicht wie andere verständige Mitmenschen behandelt werden. Er liegt ausserhalb der weltlichen Gerichtsbarkeit. Er kann aufgrund seines Statuses sogar Gott tadeln oder mit ihm hadern. Er besitzt also Narrenfreiheit. Als mich ein Blogger dazu anhielt, einen eigenen Webblog einzurichten, anstatt den Leuten ungefragt ständig Reisemails zu senden, fing ich an dieses Blog zu schreiben. Damals muß ich verrückt gewesen sein, denn bloggen ist sowas von scheisse zeitaufwendig. Man ist ja quasi -zig Ressorts in einem: a) Ideenfindung, b) Recherche, c) Bildredaktion, d) Lektorat, e) Layout, d) Leserbriefe, e) Kritik. F) wie Service, G) Literatur, H) Musik und I) wie "Religion und Gesellschaft" schlafen eh seit Monaten den Dornröschenschlaf.

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