Letztens bin ich hingefallen, genau aufs Gesicht...

(Sandow im Nikolaisaal, Potsdam 26. August)

Es ist ganz schön mutig den (neuen) Freunden das Bilderalbum von den verwegenen Jahren, der wilden Zeit in den 90ern zu zeigen, die eigene Wildheit von damals auf die Leinwand zu projizieren und dann zur Gitarre zu greifen und zu sagen, "Ach übrigens, ich hab da was Neues."

Zuerst also war der Film über die Gute Alte Zeit Flüstern und Schreien und dann kam das Comeback einer Gruppe, die im Flyer mit den Worten angekündigt wird "die bekannteste Avantgarderockband aus dem Osten" oder so ähnlich.


Wenn Du gehst dann lösch die Zeit aus
Mach das Licht aus reiß das Haus ein
und wenn es sie noch gibt
Vergiß den Boden unter meinen Füßen nicht
Wer hält mich Ich falle


So klingt es da in den Nicolaisaal hinein, in eine Masse wohlwollender Zuschauer, die für ihre zahlreichen Euronen auch was geboten bekommen wollen. Die Kulisse ist beachtlich, die Filme gefallen mir in ihrer gelassenen Aufgeregtheit. Doch was macht das, wenn das Material, auf dem das alles fußen soll, nicht trägt? Die Streicher machen den Teppich auf dem der flauschige Sound seine fröhlichen Urständ feiert. Die Synthesizer plingen immerdar. Das "Wir tanzen, tanzen, tanzen" von damals ist übrig geblieben, klickgenau in bites und bytes zerhackt. Die Leerstelle im System, die zu suchen Sandow inmitten der Neunziger sich durch immer düstere Welten rockten, das schwarze Loch im weissen Pelz, dass sie nimmermüde suchten und dabei schwarz und schwärzer wurden, ist nunmehr angefüllt mit Soundarrangements und gefälligem Klimpern. Doch die Worte fehlen oder sehen müde aus.

Dabei fingen sie ganz mutig an, die Worte. Aufrüttelnd nach vorn, ohne die Aufgeregtheit der ersten Sekunden:


"Sag nicht morgen sag jetzt
Sag wir sprengen die Ketten
Sag nicht nein sag hier
Sag wir werden nicht betteln
Versteck Dich nicht
Und schleif die Scharten
Sag Sonne sag Sturm
Sag wir werden nicht warten
Die Angst ist ein Schaf
Ist ein Herdentier
Verjage sie
Und steh hier bei mir."


Der Sonne war viel, der Sturm blieb aus. In den Ketten der eigenen Schatten liegend konnten meine Augen jedoch kaum das Neue sehen. War die Alte Zeit einfach in ihrer Konstellation zu wild und passend für solche Apokalyptiker wie Sandow? Und kriegen sie es auf die Reihe, im Strom der neuen Gefälligkeit dem eigenen Wort ein Licht anzuzünden, das mehr ist als nur das wärmende Teestövchen für die verregneten Nachmittagstündchen?


"Wir schmecken die Süße des Anfangs im Kuß der Welt
Berühren das Rätzel Verlangen das uns gefällt
Besessen im Drang die Zellen in Brand Chorgesang
Wir treiben dahin frei ohne Sinn das ist der Sinn."


Ohne hier einen Zeigefinger zu erheben, zu erbitten oder zu verlangen. Aber nur treiben lassen ... ist das ein Motto für Rockmusik, für schwere Gitarren und kettensprengende Attitüden? Oh Gott, nein. Herbert treibt sich hin und denkt an seine Anna. Sandow treibt sich hin und denkt an sein Manna? Die Sucht der Bühnenerfahrung, die Christoph Hinze im vorher gezeigten Bilderalbum ansprach, war das die stärkste Pille für die Band? Oder haben sie doch noch was zu sagen?
Ich will noch abwarten, bevor ich summe:

"Letztens bin ich hingefallen, genau aufs Gesicht..."

update: Oh Gott, neh des passt net. Also achduscheisse, hier ein Artikel,
in den "Potse neueste Nachrichten"
schwachmatisch. Geschrieben von einem, der zur Vorbereitung auf den Artikel sich nicht mal die alten Alben besorgt hat und daher zeigt, dass er Alt von Neu nicht unterscheiden kann. Peinlich, so ideenlos hinzugehen und dabei als Aufhänger des Artikels einen aufgeschnappten Satz zu präsentieren, der sowas von egal ist. Und dass dann auch noch in eine sinnlose Wertung verpackt, die hinterrücks einem das "kauf mich! Ich bin besser als ... " reindrückt.

Also jetzt aber doch: Oh Gott!
stralau (Gast) - Mo, 16:59

Das hastu gut beschrieben, das mit der fehlenden Haltung. Ich würde noch hinzufügen, daß auch die Filme früher besser waren, sicherer, dunkler, ruhiger, krasser.

Aber wattretick von früher …

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Olim ist ein arabischer Vorname, der sich aus der Silbe ilm ableitet und soviel heißt wie der Wissende oder Wissenschaftler. Ich habe den Namen 1994 in Buchara verliehen bekommen und ein Jahr später angefangen, Mittelasienwissenschaften zu studieren. Das tue ich heute immer noch im fortgesetzten Stadium. Devona ist ein Wort das man fuer verrückt, entrückt, weggetreten benutzen kann. Es hat immer irgendwie mit Liebe zu tun, zu den Menschen, zum Leben, zu Gott. Naja und das zusammen macht die Figur Olim devona aus. Manchmal schlüfe ich in sie hinein und fuehle mich dann total devona.

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