Sinnprovinzen

Sonntag, 30. September 2012

Haende fassen und loslassen

Nun habe ich ein zweites Mal den Roman von Amitav Ghos: Glaspalast fast durchgelesen. Es ist ein wunderbares Buch und beim zweiten Mal noch intensiver als beim ersten. Ich will aber gar nicht so sehr von dem Buch erzaehlen, als vielmehr von zwei Anekdoten aus dem Buch, die als Motiv und Thema das Buch immer wieder durchziehen. Anekdoten, die romantragend sein sollen, das klingt komisch? Ich bin kein Literaturwissenschaftler, deswegen weiss ich nicht, was nun geht und was nicht aber lassen wir das.

Zu den Anekdoten

Die eine kommt gleich zu Anfang des Buches: Der birmanische Koenig Thebaw und seine Familie werden von den Englaendern in die Verbannung geschickt und unter den Familien- und Hofmitgliedern ist auch eine der Hauptpersonen des Buches: Dolly. Diese ist keine sechs Jahre und eine der Hauptheldinnen des Buches. Rajkumar, ein indischer Waise, kaum 4 Jahre aelter, bekommt sie ein erstes Mal zu Gesicht, als er zusammen mit dem Mob den Palast pluendert. Das zweite Mal, als die Familie aus dem Palast zum Schiff gefuehrt wird. Bei diesem zweiten Mal kauft er geschwind Suessigkeiten am Strassenrand und schafft es, diese trotz Soldatenbewachung Dolly zu uebergeben. Das erste was diese macht, ist die Suessigkeiten, den sie bewachenden Soldaten anzubieten. Rajkumar ist darueber erst sehr erbost, dann erkennt er ihre Weisheit. Sie knuepft mit dem Unvermeidlichen Beziehungen, anstatt gegen diese anzukaempfen.

Dieses Bild beschaeftigte mich nun in der Zeit, die ich in Bangladesh weilte immer wieder. Ist es nun ein Zeichen des Fatalismus oder ein Zeichen der Weisheit, nicht zu kaempfen, nicht zu oponieren, sondern aus der gegebenen Situation das Leben immer wieder neu zu beginnen. Das Land Bangladesh hat mir immer wieder diese Anekdote auf erstaunliche Weise vorgefuehrt. Eigentlich koennten die Bewohner dieses Landes einen gut begruendeten Groll gegen die Fremherrschaft der Briten und der Westpakistanis hegen. Die Briten haben diesen einst reichsten Landstrich des Indischen Subkontinents ausgenommen, leergeblutet, Hungerkatastrophen hingenommen und schliesslich zu dem gemacht, was es heute ist, ein Land mit Problemen. Die Pakistanis hatten dazu nicht die Gelegenheit, aber besonders ruehmlich haben sie sich auch nicht verhalten. Statt des Grolls aber spuert man in Bangladesh ueberall die unbedingte Bereitschaft mitzumachen, den Anschluss zu gewinnen oder nicht zu verlieren. England ist Studienplatzwahl Nummer eins, man bewundert das postkoloniale Europa und die Beziehungen mit den Pakistanis sind auf der Ebene der normalen Menschen ebenfalls ohne Gram. Man bewundert ihr Krikettteam, das gerade hier in Sri Lanka mit den Aussies, den Indern und den Suedafrikanern um den Sieg kaempft. Man macht nicht da weiter, wo man aufgehoert hat, wie vielerorts in den Vertriebenenverbuenden und bei den Radzurueckdrehern, sondern dort wo man gerade steht. Ein Land, das regelmaessig in den Fluten versinkt und in denen die Natur verhindert, dass sie Gegensaetze zwischen Arm und Reich die Grenzen sprengen (auf dem Lande -- in der Stadt Dhaka sind sie eklatant), ist vermutlich so aufgestellt. Es zaehlt nicht so sehr die historische Erinnerung, sondern das Heute und das Morgen.

Die zweite Begebenheit kommt erst sehr spaet im Buch, kuendigt sich aber immer wieder in den Gewissensbissen der indischen Soldaten innerhalb der Britisch Indischen Armee an. Sie wird aber nicht vom Soldaten Arjun, der eine her weniger tragende Rolle spielt geaeussert, sondern von seinem schaerfste Kritiker, dem wunderbaren Dinu, um dessen Schicksal ich das eine oder andere Mal im Buch zu Traenen geruehrt war. Dieser formuliert, dass es die schlimmste aller Niederlagen eines Unterdrueckten ist, gegen seine Unterdruecker zu fallen, ueberhaupt gegen sie angetreten zu sein. Denn auch im Gegensatz sei man mit ihnen vereint, koennte sich dem System nicht entziehen, waere auf ewig gefangen zwischen den Polen der Gegensatze. Diese laehmen alle Kreativitaet, wuerden Potentiale vergeuden, die sich in der freien Entfaltung ganz andere Orte, Ebenen und Richtungen erschliessen koennten. Also nicht Dafuersein, nicht Dagegensein, sonder Sein, sei das Gebot der Freiheit. Auch dass wieder ein schwieriges Bild, eine Absage an Fatalismus, aber auch eben keine Stellungnahme, wie wir sie gewohnt sind, zu haben. Wir wolllen uns Meinungen bilden, dafuer oder dagegen, lieben die Momente der Debatte. Der Held Dinu lehnt diese fuer sich ab. Fuer ihn ist das frei entfaltete Lachen wichtiger als ein Kampf um Leben und Tod, dass nicht nur auf den Weg der Unfreiheit fuehrt, sondern diese eben dadurch immer wieder stabilisiert. Waehrend ich hier auf dem Flughafen von Colombo auf meinen Nachtflug nach FFM warte, erwische ich mich immer wieder im Denken der Gegensaetze, mache mir Gedanken ueber die hier wartenden leicht bekleideten Strandurlauber, setze mich dauernd in Beziehungen ohne dabei zu sein.

Und das erinnert mich wiederum an eine letzte Frage, gehoert in einem Theaterstueck, dass ich vor Jahren einmal sah. Hier wurde einem Leherer die Frage gestellt: "Was ist nun besser: Das Sein im Nichtsein oder das Nichtsein im Sein" und der Lehrer antwortet: "Weiss ich nicht!"

Montag, 26. Januar 2009

gewagte Vergleiche

Ist es zulässig, Dinge miteinander in Beziehung zu setzen, die offensichtlich nicht zu einander passen? Auf der einen Seite der Völkermord an den Juden im zweiten Weltkrieg und auf der anderen Seite die Unterdrückung von Palestinensern auf israelischem Territorium?

Hier eine Seite mit einer gewagte aber auch augenöffnenden Gegenüberstellung von Bildern aus Konzenztrationslagern und Getthos mit Bildern aus dem Gazastreifen und Israel. Der wissende Leser kann hier sich des Experiments des gewagten Vegleiches unterziehen und wird sehen, was da geht und was dabei nicht geht. Aber Achtung, das Phänomen des Aha Erlebnisses ist dabei ein trügerisches Ergebnis vorgefertigter Erwartungen und scheinbar faktischer Bestätigung des Erwarteten.

Donnerstag, 6. März 2008

Mimetische Gewalt

Die Nachahmung, die Mimesis dessen was geschehen ist und dessen was geschehen könnte, dass ist Grundlage einer Jahrtausende Alten Kunst. Der Kultur des Spiels, die Huizinga in seinem Buch "Homo ludens" so plastisch beschreibt, ist jungen Tieren und jungen Menschen besonders eigen. Dadurch lernen sie motorische Fähigkeiten, Schnelligkeit und Behendesei, Kombinierungsvermögen usw. Ne breite Pallette Sinn also in der Ganzen Packung. Oft halten solche Spiele uns Erwachsenen aber auch den Spiegel vor.

Auf eindrucksvolle Weise kann das Tim Thussin ein Photojournalist in einer Diatonschau belegen.

"Kids with guns", erschreckend und faszinierend zugleich.

Montag, 4. Februar 2008

Lustiger Untergrund

Wowow, gerade habe ich das hier über Herrn Basic's Seite gefunden. Echt tolle Idee.



So lustig kann also die Arbeit des Untergrundes sein. Ja, na dann mal fein Weitermachen mit der Entertainment Arbeit im Untergrund.

Freitag, 28. September 2007

Jesus!

Wir sitzen gemütlich in der Kneipe. Sie eine Studentin der höheren Semester, äh der europäischen Geschichte in Heidelberg und ausserdem Organistin in ihrer Heimatgemeinde im Saarland. Sie riß das Gespräch an sich, mit der einfachen Nachfrage, ob wir, also ich wisse, was an Burschenschaftenklos im Verbindungshaus so besonders sei?

Ich: Nein, was denn?

Sie: Da hängen BD's in Kopfhöhe, die eigens zum Reinkotzen gedacht sind.

Ich: Aha.

Sie: Und wisst Ihr, wie man im Saarland das Fronleichnahmsfest nennt?

Ich: Nein.

Sie: Happy Kadaver!

Ich: (Lache)

Sie: Und an Ostern, da haben wir auch einen hübschen Brauch. Da geht die Gemeinde nach dem Osterfeueranwärmen in die Kirche und der Pfarrer bleibt draussen. Darauf werden die Türen geschlossen, drinne ist es saudunkel. Dann klopft der Pfarrer mit seinem Holzkreuz an die Kirchentüre, stellt sich als Jesus vor und fragt, ob man ihn einlasse! Das macht er drei mal, erst dann macht die Gemeinde auf. Und alle singen...

Ich: (lasse sie singen)

Und das Gespräch wogt in ganz andere Gefilde....

Montag, 27. August 2007

Letztens bin ich hingefallen, genau aufs Gesicht...

(Sandow im Nikolaisaal, Potsdam 26. August)

Es ist ganz schön mutig den (neuen) Freunden das Bilderalbum von den verwegenen Jahren, der wilden Zeit in den 90ern zu zeigen, die eigene Wildheit von damals auf die Leinwand zu projizieren und dann zur Gitarre zu greifen und zu sagen, "Ach übrigens, ich hab da was Neues."

Zuerst also war der Film über die Gute Alte Zeit Flüstern und Schreien und dann kam das Comeback einer Gruppe, die im Flyer mit den Worten angekündigt wird "die bekannteste Avantgarderockband aus dem Osten" oder so ähnlich.


Wenn Du gehst dann lösch die Zeit aus
Mach das Licht aus reiß das Haus ein
und wenn es sie noch gibt
Vergiß den Boden unter meinen Füßen nicht
Wer hält mich Ich falle


So klingt es da in den Nicolaisaal hinein, in eine Masse wohlwollender Zuschauer, die für ihre zahlreichen Euronen auch was geboten bekommen wollen. Die Kulisse ist beachtlich, die Filme gefallen mir in ihrer gelassenen Aufgeregtheit. Doch was macht das, wenn das Material, auf dem das alles fußen soll, nicht trägt? Die Streicher machen den Teppich auf dem der flauschige Sound seine fröhlichen Urständ feiert. Die Synthesizer plingen immerdar. Das "Wir tanzen, tanzen, tanzen" von damals ist übrig geblieben, klickgenau in bites und bytes zerhackt. Die Leerstelle im System, die zu suchen Sandow inmitten der Neunziger sich durch immer düstere Welten rockten, das schwarze Loch im weissen Pelz, dass sie nimmermüde suchten und dabei schwarz und schwärzer wurden, ist nunmehr angefüllt mit Soundarrangements und gefälligem Klimpern. Doch die Worte fehlen oder sehen müde aus.

Dabei fingen sie ganz mutig an, die Worte. Aufrüttelnd nach vorn, ohne die Aufgeregtheit der ersten Sekunden:


"Sag nicht morgen sag jetzt
Sag wir sprengen die Ketten
Sag nicht nein sag hier
Sag wir werden nicht betteln
Versteck Dich nicht
Und schleif die Scharten
Sag Sonne sag Sturm
Sag wir werden nicht warten
Die Angst ist ein Schaf
Ist ein Herdentier
Verjage sie
Und steh hier bei mir."


Der Sonne war viel, der Sturm blieb aus. In den Ketten der eigenen Schatten liegend konnten meine Augen jedoch kaum das Neue sehen. War die Alte Zeit einfach in ihrer Konstellation zu wild und passend für solche Apokalyptiker wie Sandow? Und kriegen sie es auf die Reihe, im Strom der neuen Gefälligkeit dem eigenen Wort ein Licht anzuzünden, das mehr ist als nur das wärmende Teestövchen für die verregneten Nachmittagstündchen?


"Wir schmecken die Süße des Anfangs im Kuß der Welt
Berühren das Rätzel Verlangen das uns gefällt
Besessen im Drang die Zellen in Brand Chorgesang
Wir treiben dahin frei ohne Sinn das ist der Sinn."


Ohne hier einen Zeigefinger zu erheben, zu erbitten oder zu verlangen. Aber nur treiben lassen ... ist das ein Motto für Rockmusik, für schwere Gitarren und kettensprengende Attitüden? Oh Gott, nein. Herbert treibt sich hin und denkt an seine Anna. Sandow treibt sich hin und denkt an sein Manna? Die Sucht der Bühnenerfahrung, die Christoph Hinze im vorher gezeigten Bilderalbum ansprach, war das die stärkste Pille für die Band? Oder haben sie doch noch was zu sagen?
Ich will noch abwarten, bevor ich summe:

"Letztens bin ich hingefallen, genau aufs Gesicht..."

update: Oh Gott, neh des passt net. Also achduscheisse, hier ein Artikel,
in den "Potse neueste Nachrichten"
schwachmatisch. Geschrieben von einem, der zur Vorbereitung auf den Artikel sich nicht mal die alten Alben besorgt hat und daher zeigt, dass er Alt von Neu nicht unterscheiden kann. Peinlich, so ideenlos hinzugehen und dabei als Aufhänger des Artikels einen aufgeschnappten Satz zu präsentieren, der sowas von egal ist. Und dass dann auch noch in eine sinnlose Wertung verpackt, die hinterrücks einem das "kauf mich! Ich bin besser als ... " reindrückt.

Also jetzt aber doch: Oh Gott!

Freitag, 13. Juli 2007

Das agonale Prinzip

Am 1. November 1978 versammelte sich die Bürgerschaft der usbekischen Stadt Kokand, um der Enthüllung eines Denkmals beizuwohnen. Eine mehr als drei Meter große Statue eines jungen Mannes, Abdulla Nabiev, wurde am symbolträchtigen Ort unweit der Prachstraße in der russisch kolonialen Neustadt, die zu Sowjetzeiten Pionerskaja hieß, der Öffentlichkeit übergeben.

nabiev-denkmal

Abdulla Nabiev war ein junger Mann, ein Adoptivsohn einer Handwerkerfamilie aus Kokand. Diese schickte ihn in eine Reformschule, eine am Anfang des Jahrhunderts in Mittelasien sich überall etablierende moderne Einrichtung mit lokalen Lehrern, jedoch sakularen und religiösen Inhalten. Das war vor der russischen Oktoberrevolution.

Ab 1914, direkt mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges gründeten aufgeklärte Stadtbürger aller Orten Charitasverbände, die einerseits Geld sammelten, andererseits sich aber auch für soziale Belange vor der Haustür einsetzten. Die Schüler der besagten Reformschule taten dies ebenso. Bald darauf brandte das russische Imperium an allen Ecken und Enden, die Oktoberrevolution schwappte aus den Zentren Petersburg, Moskau und anderen Städten in die kolonialen Peripherien. Da die Charitasidee vor allem von jungen Männern organisiert wurde, bekam sie mit 1917 auch einen revolutionären Namen: Komsomol. Abdulla war hier ein Gründungsmitglied von vielen, nahm die soziale und politische Idee aber um einiges ernster und stieg langsam in der Komsomolhierachie auf. Nun entdeckten ihn auch Bezirkskader und ließen ihn im Schnellkurs zu einem Kommunisten machen. Bald darauf wurde er in eine andere Region Mittelasiens entsandt, eine gängige Methode der Kaderverschickung, wo er bei einer bewaffneten Auseinandersetzung mit den antibolschewistischen Rebellen starb. Eigentlich war er ein Opfer des Bürgerkrieges, von den kommunistischen Statthaltern an die Bürgerkriegsfront geschickt, verstarb er im Alter von 24 Jahren 1921.

In den nächsten Dekaden, den 10 jährlich wiederkehrenden Gedenkfeiern zur Revolution wurde seine Person, eigentlich ein weisses unbeschriebenes Blatt Papier, ein Medium, in das die verschiedensten Akteure ihre Ideen von revolutionären Heldentum einschrieben. Diese Mystifizerung sowjetischer Helden folgte nach und nach verstärkt noch durch den 2. Weltkrieg dem agonalen Prinzip. Revolutionäre waren Kämpfer, nicht Opfer revolutionärer Umstände. Sie stritten für die Sowjetmacht, die einzige Opferpose die erlaubt schien, war die Mutter, die ihre Kinder verlor. Alle Männlichen Unterstützer des Systems wurden nur als Kämpfer geduldet. Die fünf Jahr Pläne, die stoßweise und rücksichtslose Technisierung der Landwirtschaft und Industrialisierung der Wirtschaftzonen, sowie die sowjetische Unterlassung charitativer Hilfe für sowjetische Kriegsgefangene in der Hand der Wehrmacht waren eine Folge dieses agonalen Prinzips. Auch Abdulla Nabievs Mystifizierung wurde vom agonalen Prinzip geleitet.

Es kam das Jahr 1965. Chrustschow hatte die Tauwetterperiode eingeleitet und die kommunistische Partei Armeniens beging unter Ausschluss der Öffentlichkeit das 50 jährige Gedenken an den Genozid durch das osmanische Reich hinter verschlossenen Türen. Der Genozid jedoch war schwierig durch das agonale Prinzip zu mystifizieren. Franz Werfel gelang z.B. mit dem Roman die Helden des Musa Dagh zwar diesem agonalen Prinzip einzuordnen, die gesamte Geschichte der Vertreibung jedoch war aus der Opferperspektive um einiges authentischer zu erinnern. Und hier wird es interssant. Die Mitglieder des Politbüros Armeniens fassten auf dieser Gedenkstunde den Beschluss, dem Ereignis ein Denkmal zu widmen und entpuppten sich als Virtuosen des agonalen Prinzips. Das Denkmal wurde den Gefallenen des Großen Vaterländischen Krieges errichtet, hatte eine dafür typische ewige Flamme, jedoch zeichneten es zwei andere Symbole aus, die eigentlich unmißvertsändlich waren: Es wurden zwölf Steinstehlen im 45 grad Winkel so aneinandergestellt, als wäre es ein abgeschnittener Berg, eine symbolisch hochgradig aufgeladene Allegorie auf den Ararat, den man von dort aus auch sehen kann und ein Obelisk, ein typisches armenisch christliches Symbol. Offiziell folgten die Beschreibungen dieses Denkmals dem Prinzip des sowjetischen Totengedenkens für die gefallenen Helden des zweiten Weltkrieges, inoffiziell jedoch wurde hiermit auch dem Genozid an den Armeniern gedacht.

Das agonale Prinzip wurde nach dem Ende der Sowjetunion weitgehend fallengelassen. Die armenische Gedenkkultur wurde durch die amerikanische Diaspora stark von der Erfolgsgeschichte des jüdischen Gedenkens an die Opfer der Holocausts beeinflußt. Auch in Mittelasien wurden die Heldendenkmäler aus der Öffentlichkeit entfernt. Man stilisierte sich zunehmend als Opfer der kolonialen und kommunistishen Gewaltherrschaft. Das kämpferische Denkmal Abdulla Nabievs wurde längst eingeschmolzen.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Der Große Schwindel

Ich: "Du, Du hast doch letztes Mal von diesem Wissenschaftler erzählt, der in Schweden Angst hatte vor einer neuen Eiszeit, der meinte, Skandinavien wieder unter Gletschern verschwinden zu sehen, deswegen CO2 als Treibhausgas deklarierte und hoffte, wenn die Industrieanlagen und Kohlekraftwerke nur ordentlich CO2 aussenden würden, dann gäbe es eine Hoffnung für Schweden, gerettet zu werden. Kannst Du mir nicht noch mal den link dazu schicken, unter dem Du das nachgelesen hast?"

Er: Hmm…

Ich: "Weißt Du, ich habe nämlich vor, einen Blogeintrag zu machen, in dem ich über dieses ganze Live Aid Dingsbums, Klimagipfel G8 und die Manifestationen am letzten Wochenende schreiben will. Mir kommt es so vor, als sei es das letzte Aufbäumen modernen Gedankenguts…"

Er: Hmm, dass seh’ ich nicht so.

Ich: "Was ist’n los? Bist Du irgendwie traurig, hast Du schlechte Laune?"

Er: Nöö, habe jetzt bloss keine Zeit meine Gedanken darüber darzulegen. Ich sehe das eben ein bisschen anders….
Das war vor knapp einer Woche. Jetzt will ich ihm unbedingt Recht geben. Ich sehe das jetzt auch ein bissel anders.

Ein paar Stunden später kam ein Link zu einem Film ins Haus geflattert. Als ich die Dauer des Filmes sah, schluckte ich. Eine Stunde und 20 Minuten für ein bissel Recherchearbeit wegen einem heimatverbundenen Schweden? Aber egal, die ersten Minuten des Filmes machten Laune auf mehr und so machte ich es mir vor ein paar Tagen am Abend gemütlich, nahm Bier und Chips mit vor den Schirm und schaute mir den Film: der große Schwindel an.

Vorweg, der Film ist eine provokante Doku des Channel 4 über die Wurzeln der Politik mit dem Klimawandel. Da er aber aus vier Teilen zusammengestellt ist, sich deswegen manchmal wiederholt und ausserdem ein wenig lang ist, will ich mich hier einigen lohnenswerten Aussagen des Filmes widmen.

Der Film versucht nachzuweisen, dass die These, CO2 in der Atmosphäre verursache Klimawandel wissenschaftlich unhaltbar ist.
Erstens, gehe das auf ein einfachen Denkfehler hinaus: die Korrelationen CO2gehalt in der Atmosphäre und dem Ansteigen der Temperaturen auf der Erde wurde von solchen Klimaaktivisten wie Al Gore einfach falsch gedeutet, richtig müsste es heißen, je höher die Temperaturen in der Atmosphäre, desto mehr Biomasse gedeiht auf der Erde, desto mehr CO2 kann auch gemessen werden.

Zweitens sei CO2 kein Treibhausgas. Das Treibhausgas Nummer eins auf der Erde ist Wasserdampf, daneben andere aber CO2 ist schlechthin in solch einer geringen Konzentration nur vorhanden (gegenüber Sauerstoff und Stickstoff) das hier von Einflüssen auf das Klima keine Rede sein kann.

Drittens verursache der Mensch alle Industrieananlagen der Welt zusammengenommen nur einen Bruchteil der CO2 Mengen, verglichen etwa mit der CO2Produktion der Ozeane oder der Biomasse auf der Erde oder der Vulkane. Einen Einfluss des Menschen auf das Klima sei mitthin eher megalomanes Wunschdenken nach dem Format: „Auch Du kannst das Klima ändern Genosse!“

Viertens sei die Sonne der hauptsächliche Klimabeeinflusser und die Sonnenflecken Indikatoren für langfristig ansteigende oder abfallende Temperaturen (eine Weißheit, die man seit dem Mittelalter kenne).

Fünftens gebe es bisher überhaupt keine verlässlichen Modelle, wie Klima vorhergesagt oder gerechnet werden kann. Zu viele Indikatoren sind dafür einzubeziehen, die Mechanismen wie sie Wirken aber bisher weitgehend unbekannt.

Dann käme hier sechstens und siebentens und und und, das aber geht genau wie die ersten fünf Argumente viel zu sehr in Richtung Meteorologie und Klimawissenschaft, von der ich schlechtweg nichts verstehe.
Für eine eingehende Besprechung auch hier

Viel interessanter sind jedoch die ideologischen Implikationen, die die jetzige weltweite Klimapolitik beherrschen, die von den Industrienationen vorangetrieben wird und deren Wurzeln. Weit davon ab, irgendeine Verschwörungstheorie zu entwerfen, beginnt die Geschichte der Auseinandersetzung mit dem CO2 und dem Klima in England. Hier streikten 1984/85 die Bergarbeiter und zugleich sah die Thatcher Regierung, wie empfindlich England von seiner Kohleindustrie und ihren Arbeitern abhängig waren. Also ließ die Thatcher Regierung als erste europäische Regierung viel Geld in die Erforschung anderer Energiequellen wie die Atomkraft fließen. Außerdem gab sie Gutachten in Auftrag, die die Kohlewerke und ihren CO2 Ausstoß direkt mit dem Klima in Verbindung brachten und damit als Energieform mißkreditieren sollten. Was danach geschah ist eine interessante Dynamik, die wohl nur etwas mit gleichgearteten Interessen vieler Einzelner Akteure zu tun haben kann. Der Ostblock zerbrach und eine Menge Menschen, die sich dem ideologischen Kampf widmeten, wurden Argumenten zu einer sozialistischen Praxis beraubt, die sie meist selbst nur theoretisch kannten. Sie entdeckten für sich das Thema des Klimas, weil hier antikapitalistische Politik gemacht werden konnte. Industrielle Entwicklung als das neue Feindbild.

Ohne hier über die Interessen der einzelnen Verbände irgend ein Urteil fällen zu wollen, wird die ganze Sache ab dem Zeitpunkt komisch, in dem die großen Industriestaaten für sich das Thema entdeckten.

Da ich von Haus aus immer schon Staatsideologien gegenüber kritisch erzogen worden bin, machte zuletzt mich genau dieser Umstand stutzig. Nun gut, eine einfache Antwort wäre, mit Umwelt konnte Wahlkampf gemacht werden. Dass hatten Grüne Parteien in ganz Europa vorgemacht. Nun konnte mit Klima, wie der Film sehr schön nachzeichnen kann aber auch globale Politik gemacht werden und da wird es kompliziert. Der kurze Verweis nach Afrika in diesem Film (relativ am Ende) genügt, um die Perfidität des Klimaarguments zu zeigen. In Afrika liegen die bedeutendsten Kohlevorkommen der Welt. Hier sind die Länder auf Entwicklung angewiesen. Die Solar und Windanlagen, die man zu ihnen exportieren will, reichen kaum aus, um den nötigsten Haushaltsstrom zu erzeugen. Es fahren nun mal keine Güterzüge mit Solarenergie, so wie auch keine Stahlbetriebe mit Windkraft arbeiten können. Hier müssen Energiekraftwerke jedoch erst noch gebaut werden. Der afrikanische Traum, wie es im Film heißt, wird durch die heutige Klimapolitik, die von den Industrienationen vorangetrieben, unmöglich.
Nun stellt der Film nicht die Frage, was passiert wenn Afrika sich entwickelt, sondern, was passiert, wenn es sich nicht entwickelt. Ein unvorstellbar großer Prozentsatz von Menschen kochen in Afrika mit offenem Feuer anstatt mit Gas oder Elektroherden.

Der CO2 Ausstoß der vom Feuer direkt in die Lungen von Kindern und Erwachsenen gelangt, verursacht Lungenentzündungen, Immunschwächen, Krankheitsanfälligkeiten u.u.u.
Hier würden Gas- oder Kohlekraftwerke, die Strom in Hauhalte liefern könnten, einen Lebensqualitätssprung ohne gleichen machen. Ob der CO2 Ausstoß, der vom Herdfeuer direkt in die Atmosphäre gelangt, irgendwas mit dem Klimawandel zu tun hat, und damit wären wir wieder beim Anfang dieses Eintrages, ist wissenschaftlich bisher nicht bewiesen und Teil eines „Großen Schwindels“. Der andere Schwindel jedoch, der auf der Hand liegt, ist das falsche Argument gerade die Länder von CO2 Emmissionen fern zu halten, die sich die teuren Umweltspielereien der Industrieländer nicht leisten können. Und hier vereinen sich auf unheilvolle Weise die Interessen von Umweltschützern und die von Politikern.
Na dann: Gute Nacht!

Dienstag, 15. August 2006

Vom Schätzesammeln und Sorgen

Vor zwei Jahren schrieb Alexander von Schönburg das Buch

"Die Kunst des Stilvollen Verarmens"

Zur Erhöhung der eigenen Glaubwürdigkeit schildert er aus seiner kurzzeitige Rolle als arbeitsloser Adliger heraus auf den ersten Seiten recht amüsant das Nebeneinander von adligen Nimbus, Reichtum und alltagsnormaler Armut. Das dieses Buch in den Zeiten von "`Gürtel enger schnallen"', "`es geht ja nun wirklich nicht so weiter"', "`die Ressourcen werden knapp"' geschrieben wurde, wen wunderts. Ganz nebenbei, die Zeiten in denen Alexander von Schönburg seinen Gürtel enger schnallen musste waren auch schnell vorbei, schon im Juni 2005 wurde er Chefredakteur des Elitemagazins Park Avenue Ihr Motto: "Ganz oben. Ganz vorn. Und ganz nah dran."

Normalerweise bekomme ich Bestseller nur mit, wenn ich zufällig in Harald Schmidts Sendung reinzappe und mir anhöre, was die so alles in einem Monat gelesen haben wollen. Ähnlich ging es mir mit dem oben stehenden Werk. Ich fuhr Zug, hatte nichts zum Lesen und nahm mir das Magazin der Bahn zu Gemüt. Die gesamte Ausgabe war bestimmt von Energie, Ressourcenknappheit, Naturkatastrophen und der Umganng der Menscheit mit ihrer Zukunft. Irgendwo gab es auch die Literaturempfehlung, die mich zum Buch führte.

Das Menschen nicht mit der Zukunft umgehen können, dafür danke ich vorerst noch Gott, denn dieses Spiel mit der Schöpfung haben wir ja zum Glück noch nicht gewonnen. Teilerfolge gab es seit Prometheus, sonst sässen wir jetzt nicht in Häusern aus Stein mit Wärme, Wasser, Strom und dem Internet aus der Wand. Die Grundfrage, die von Schönburg nun stellt, ist nicht die nach dem Umgang mit der Knappheit, nicht die Frage nach der Armut, sondern die nach dem Genuss des Lebens, dem Glück des Lebens oder dem glücklichen Leben.

Das er dabei jedoch grundsätzlich bei all dem bleibt, was unser Leben schön machen soll: Genuß durch einen sinnvollen bewußten Umgang mit dem, was uns zur Verfügung steht, das macht dieses Buch so seicht, wie es Fürstenspiegelliteratur also Ratgeber schon immer waren -- trotz Konsumverzicht keinerlei Rebellion, keine Utopien. Ratgeber leben vom Arrangement, sonst hätte dieses Buch es auch nicht auf irgendeine Liste geschafft. Aber ich will ihn nicht kritisieren, das Buch liest sich schön. Nur ist es banal für alle diejenigen, die eine Ostblockbiographie haben, die die Armutslage des Autoren zeitweilig oder dauerhaft teilten oder in anderen Ländern das Überleben in Armut erlebten. Dass das nicht alle sein können, das zeigt sein reissender Absatz.

Das was der Autor im Leser jedoch evozieren will, ist auf keinen Fall Sozialkritik, sondern Lebensglück. Lebensglück, die Ethik des Glücks gewissermaßen, die treibt mich nun auch schon seit einiger Zeit um. In diesem Blog wird in den nächsten Wochen mehr dazu zu lesen sein.

Eigentlich könnte alles sehr einfach sein. Man nehme sich die Bibel und lese vergnüglich "Vom Schätzesammeln und Sorgen" bei Mathäus 6, 24 - 28:

"Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht."


und weiter in 38:

"Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat."


So, nun das ganze schön verinnerlichen und schon macht das Anstehen auf dem Sozialamt etwas weniger Mühe.

Dass Bibelzitate es nicht auf Bestsellerlisten schaffen, dass verwundert wohl keinen. Wohl aber Bücher, die Bibelzitate mit der Praxis des Lebens ausbauen und immer wieder untermauern:"Arm sein ist schön, denn dadurch kann man Reichtum erst richtig geniessen."

---Sarkasmusbremse---

Also hatte Mathäus, äh Gott, mal wieder recht: sorge dich nicht, lebe! Und schon wieder in den Bestsellernapf getappt.

Suche

 

Archiv

Juli 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Web Counter-Modul

Impressum

Olim ist ein arabischer Vorname, der sich aus der Silbe ilm ableitet und soviel heißt wie der Wissende oder Wissenschaftler. Ich habe den Namen 1994 in Buchara verliehen bekommen und ein Jahr später angefangen, Mittelasienwissenschaften zu studieren. Das tue ich heute immer noch im fortgesetzten Stadium. Devona ist ein Wort das man fuer verrückt, entrückt, weggetreten benutzen kann. Es hat immer irgendwie mit Liebe zu tun, zu den Menschen, zum Leben, zu Gott. Naja und das zusammen macht die Figur Olim devona aus. Manchmal schlüfe ich in sie hinein und fuehle mich dann total devona.

Here be dragons
Randzone
Reisenotizen
Sinnprovinzen
Straße der Besten
vom sofa in die Unterwelt
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren